Bürgerversammlung 2026

Veröffentlicht am: 14.09.2026

PRESSEMITTEILUNG ZUR BÜRGERVERSAMMLUNG AM 07.09.2026

Waldeck im Austausch: Klimaschutz, Tourismus und die Zukunft der Stadt im Mittelpunkt

Gut besuchte Bürgerversammlung in Freienhagen – Klimaschutzmanagement stellt sich vor – Stadt beantwortet eingereichte Bürgerfragen – Feuerwehr informiert zum Waldbrandschutz

Waldeck-Freienhagen. Klima, Tourismus, Stadtentwicklung und die Frage, wie die Nationalparkstadt Waldeck ihre Zukunft unterzunehmend schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen gestalten kann, standen im Mittelpunkt der Bürgerversammlung am Montagabend in der Stadthalle Freienhagen. Stadtverordnetenvorsteherin Anni Maria Berthold eröffnete den Abend vor gut gefüllten Reihen – nur wenige Sitzplätze blieben frei.

Neben aktuellen Projekten der Stadtentwicklung nahm insbesondere das neue Klimaschutzmanagement den Raum ein. Klimaschutzmanagerin Nora Eifert stellte ihren Aufgabenbereich und den Weg zum integrierten Klimaschutzkonzept der Nationalparkstadt vor. Dazu gehören neben der Konzepterstellung unter anderem die Akquise von Fördermitteln, das Monitoring von Maßnahmen, die Vernetzung von Verwaltung, Bürgerschaft, Wirtschaft, Vereinen und Energieversorgern sowie Information und Beteiligung.

Aktuell steht zunächst die Bestandsaufnahme im Mittelpunkt. Darauf folgen die Ermittlung von Potenzialen und Szenarien, die Beteiligung der örtlichen Akteure, die Entwicklung eines Maßnahmenpakets und schließlich die Umsetzung erster Maßnahmen.

„Klimaschutz in Waldeck soll kein Konzept sein, das am Ende in einer Schublade liegt. Wir wollen gemeinsam herausarbeiten, wo wir stehen, welche Potenziale wir haben und welche Maßnahmen für unsere Stadt und ihre Ortsteile tatsächlich sinnvoll und umsetzbar sind“, erklärte Klimaschutzmanagerin Nora Eifert.

Dabei soll die Bürgerschaft ausdrücklich einbezogen werden. Informations- und Beteiligungsangebote zu einzelnen Themenfeldern sollen folgen. Auch die zahlreichen Fragen des Abends – darunter viele zu privaten Vorhaben und individuellen Handlungsmöglichkeiten – sollen dabei aufgegriffen werden.

„Die Fragen aus der Bürgerschaft zeigen uns, wo konkreter Informationsbedarf besteht. Genau daraus können wir weitere Formate entwickeln. Jeder, der Ideen hat oder sich einbringen möchte, ist eingeladen, auf mich zuzukommen“, so Eifert.

Die Handlungsfelder reichen von Energie und Gebäuden sowie erneuerbaren Energien über Mobilität, Landnutzung und Natur bis zu Klimaanpassung, Wirtschaft, kommunaler Vorbildfunktion sowie Information und Beteiligung. Die Treibhausgasbilanz und die Bestandsaufnahme sollen dabei ein realistisches Bild der Ausgangslage liefern – von Verkehrs- und Energieverbräuchen bis zu den besonderen Voraussetzungen einer waldreichen Flächenkommune.

Waldbrandvorsorge: vorbereitet sein, wo Risiken nicht verhindert werden können

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Stadtbrandinspektor Andreas Przewdzing mit einem Beitrag zum Wald- und Vegetationsbrandschutz. Die Freiwilligen Feuerwehren der Nationalparkstadt stehen hierzu im engen Austausch mit der Stadtverwaltung und stellen sich auf die veränderten Herausforderungen durch längere Trockenperioden und erhöhte Brandgefahr ein.

Przewdzing erläuterte anhand konkreter Einsatzerfahrungen, wie die Feuerwehren bei Flächen- und Waldbränden vorgehen. Dazu zählen ein größerer Flächenbrand im Stadtgebiet ebenso wie kleinere Brandereignisse im Wald und im Bereich des Nationalparks. Hinzu kommen Erfahrungen aus überregionalen Großschadenslagen sowie der Austausch mit Flächeneigentümern und weiteren beteiligten Stellen.

„Trockenperioden können wir nicht verhindern. Entscheidend ist deshalb, dass wir vorbereitet sind, Erfahrungen aus Einsätzen nutzen und die Menschen für ein verantwortungsvolles Verhalten sensibilisieren“, betonte Stadtbrandinspektor Andreas Przewdzing.

Gerade bei erhöhter Waldbrandgefahr komme der Vermeidung menschlich verursachter Brände besondere Bedeutung zu. Bürgermeister Havel: „Wir müssen unterscheiden, was wir entscheiden und was wir beeinflussen können“

Bürgermeister Nicolas Havel stellte anschließend aktuelle Herausforderungen und anstehende Projekte der Nationalparkstadt vor. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage der Finanzierbarkeit kommunaler Aufgaben und wachsender Erwartungen an Städte und Gemeinden.

„Wir müssen bei jeder Aufgabe drei Fragen stellen: Wovon sind wir abhängig? Was können wir beeinflussen? Und was können wir selbst entscheiden? Unsere Aufgabe ist es, die vorhandenen Mittel dort einzusetzen, wo wir für die Menschen in unserer Stadt tatsächlich etwas bewegen können“, sagte Bürgermeister Nicolas Havel.

Zu den großen Aufgaben gehören neben den laufenden Förderprojekten „Lebendige Zentren“ für den Doppelkern Sachsenhausen-Waldeck und der Dorfentwicklung insbesondere die investitionsintensiven Pflichtaufgaben im Bereich der Wasser- und Abwasserinfrastruktur. Allein bei „Lebendige Zentren“ weist die Präsentation förderfähige bewilligte Kosten von 8,56 Millionen Euro aus; Ende 2025 waren davon 4,22 Millionen Euro verausgabt.

Parallel sind im Rahmen der Dorfentwicklung Maßnahmen in zahlreichen Stadtteilen vorgesehen – von Dorfplätzen und Dorfgemeinschaftshäusern über Spiel- und Freizeitbereiche bis zum Erhalt der Alten Schule in Netze. Die Projekte sollen schrittweise geplant und umgesetzt werden.

„Wir haben viele gute und notwendige Projekte. Aber nicht alles, was wünschenswert ist, ist gleichzeitig finanzierbar. Deshalb müssen wir priorisieren und gleichzeitig Fördermittel so konsequent wie möglich nutzen, um unsere eigenen finanziellen Spielräume zu vervielfachen“, so Havel.

Bürgerfragen gebündelt beantwortet

Ein wesentlicher Teil des Abends gehörte den im Vorfeld eingereichten Fragen sowie den Rückfragen aus dem Publikum. Die Stadt hatte diese bewusst zu Themenblöcken zusammengefasst. Die Präsentation bündelte sie in Klimaschutz, Klimaanpassung und Energie, Waldbrand, Nationalpark und Feuerwehr, Feldwege und Feldwegeränder, Tourismusentwicklung Waldeck/Edersee sowie Innenstadt, Leerstand und Marktplatz.

Beim Klimaschutz ging es unter anderem um konkrete Maßnahmen in den Ortsteilen, die energetische Stadtsanierung und den Hitzeschutz auf öffentlichen Plätzen. Das Klimaschutzkonzept soll hierfür keine pauschalen Lösungen vorgeben, sondern die unterschiedlichen Voraussetzungen der Stadtteile berücksichtigen.

Beim Waldbrandschutz machte die Stadt deutlich, dass zwischen kommunaler Gefahrenabwehr und der Bewirtschaftung des Nationalparks unterschieden werden muss. Fragen zu Totholz, Waldflächen unmittelbar an Bebauung und möglichen Sicherheitsabständen wurden ebenso diskutiert wie die Vorsorge und Einsatzfähigkeit der Feuerwehren. Diese Themen waren von Bürgerinnen und Bürgern ausdrücklich im Vorfeld eingebracht worden.

Bei den Feldwegen und Feldwegerändern reichte die Diskussion von Landwirtschaft und Eigentumsfragen über Biodiversität und Pflege bis zu ihrer Bedeutung für Naherholung und Tourismus. Auch die Frage, ob die bestehende Feldwegesatzung noch zeitgemäß ist, wurde aufgenommen.

Tourismus: Waldeck breiter und widerstandsfähiger aufstellen

Breiten Raum nahmen zudem Fragen zur zukünftigen touristischen Entwicklung ein. Diskutiert wurden die Folgen zunehmender Hitze und niedriger Wasserstände des Edersees ebenso wie der Radweg zwischen Waldeck und Edersee, die Seilbahn und die weitere Entwicklung neuer Freizeitangebote.

Havel warb dabei dafür, die touristischen Stärken Waldecks breiter zu betrachten. Der Edersee bleibe ein zentraler Anziehungspunkt. Gleichzeitig gelte es, Nationalpark, Schloss, historische Stadt, Rad- und Wanderangebote sowie Veranstaltungen stärker miteinander zu verbinden.

„Den Wasserstand des Edersees können wir nicht steuern. Sehr wohl beeinflussen können wir aber, welche Angebote wir unseren Gästen machen und wie gut wir See, Schloss, Nationalpark und unsere Stadtteile miteinander verbinden. Darauf müssen wir unsere Kraft richten“, sagte Havel.

Auch die Belebung der Innenstadt von Waldeck war Gegenstand der Bürgerfragen. Leerstände, Fördermöglichkeiten für die Innenstadt, der Zusammenhang zwischen Stadtbild und Tourismus sowie mehr Hitzeschutz und Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz wurden thematisiert.

Dialog soll fortgesetzt werden

Die Bürgerversammlung verstand sich dabei nicht als Abschluss, sondern als Auftakt für weitere Gespräche. Gerade das Klimaschutzmanagement soll künftig zusätzliche Möglichkeiten schaffen, konkrete Themen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen, Vereinen und weiteren Akteuren zu vertiefen.

„Eine Bürgerversammlung muss nicht auf jede Frage an einem Abend eine abschließende Antwort liefern. Entscheidend ist, dass wir transparent sagen, wo wir stehen, was möglich ist und welche nächsten Schritte folgen. Diesen Dialog wollen wir fortsetzen“, fasste Bürgermeister Havel den Abend zusammen. Gleichlautend möchte die Stadtverordnetenvorsteherin Bertold an dem Format festhalten.